21.01.2012
JA! Heute ist es soweit.
Nach fünf aufreibenden Wochen ist er endlich da, der Tag der Prinzenproklamation. Wir hoffen, ihr hattet ein wenig Spaß daran, dass das Tagebuch in diesem Jahr - passend zum Karnevalsthema „900 Jahre Hüls“- erzählerisch ein wenig anders gestaltet und ausgeschmückt war. Wir haben sogar von Leuten gehört, die – um versteckte Hinweise zu finden – das erste Mal seit Jahren wieder die Weihnachtsgeschichte gelesen und sich darüber gefreut haben. Das war so gar nicht von uns beabsichtigt, aber wir hatten Spaß daran.
120 Orden sind fertig, weitere 120 sind zurecht gesägt und warten auf die Bemalung, bei der unsere Freunde dann tatkräftig mithelfen müssen. Die Garderobe hängt frisch gewaschen und gebügelt im Schrank und die Rede wurde auch schon mehrfach mit dem Kochlöffel als Mikro in der Hand geprobt. Ob sie dann im vollen Heinrichstift auch so über die Lippen kommt, bleibt abzuwarten.
Wir freuen uns jedenfalls riesig, heute Abend bei unserem Einzug in verdutzte und/oder erfreute Gesichter zu schauen.
Noch ein Tip zum Schluss: So fromm sind wir gar nicht!
Bis gleich!
16.01.2012
Der Prinz ist auf dem Weg zur Bibliothek. Er möchte ein paar Zitate noch berühmterer Männer in seine Rede einbauen. Er läuft über die Moersische Straße, wo am Heinrichstift schon ein großes Schild mit der Aufschrift „Sechserrat“ prangt. Das verlangt ihm schon ein heimliches Grinsen ab. Weiter, am alten Krankenhaus vorbei, wo noch bis 1967 die Hülser Kinder das Licht der Welt erblickten und dann hinter St. Cyriakus links in die Rheinstraße. Da ist sie, die Bücherei. Wer ist denn heute da? Frau Quapp?, Frau Gommans?, nein Frau Korff sitzt hinter dem Schreibpult und notiert die ausgeliehenen Schriften.
Der Prinz stöbert in den Büchern und findet sehr kluge Aussprüche: „Wenn keine Narren auf der Welt wären, was wäre dann die Welt“, „Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“, „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann“, „Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen“, „Nicht in die ferne Zeit verliere dich! Den Augenblick ergreife, der ist dein“, „Hoheit, selbst wenn ein gewisser Grad von Schönheit sie schmückt, ist ohne Anmut nicht sicher, zu gefallen“.
Sollte er die Zitate nicht einfach etwas abwandeln?: „Denk' ich an Breetlook in der Nacht,
dann bin ich um den Schlaf gebracht,“ oder „Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Lukas sehr geschwind“???
Wofür sich der zukünftige Regent entscheidet, wird das Volke am Samstag erfahren!
Die Prinzessin muss noch in eine Schneiderei. Das Kleid sollte gekürzt werden, um dann am Sonntagmorgen noch besser tanzen zu können. Zu Frau Kohnen kann sie diesmal nicht, also wird sie in den Stadtteil fahren, aus dem einst Prinzessin Claudia I. der Liebe wegen nach Hüls zog.
09.01.2012
Heerscharen von Hülsern pilgerten am letzten Samstag, trotz widrigen Wetters, zur Volksschule im neuen Teil der Herrlichkeit Hüls. Dort wurde unter dem Motto „900 Jahre Hüls" die Verlosung der Karten für die vier Sitzungen des Sechserratordens gestartet. Schunkelnd wurde sich mit Hülser Karnevalsliedern eingestimmt und der Priester des Ordens übte mit den Anwesenden den Breetlooksausruf. Aus einem Bottich zog die amtierende Prinzessin Jeanette I. als Glücksfee die Gewinner. Wie bei einer Verlosung üblich, hatten manche Glück und andere leider weniger. Doch sicher können alle sein, sich in der Karnevalszeit im Heinrichstift oder spätestens beim Jubelzug durch unsere Herrlichkeit am Breetlooksdienstag wieder zu sehen.
Unter den Anwesenden waren viele Ex-Prinzessinnen und Ex-Prinzen, ein Stand, zu dem das neue Prinzenpaar auch irgendwann gehören wird. Aber bis dahin wird - dem Himmel sei Dank - noch viel Wasser in Flöth und Königsparkweiher fließen und verdunsten.
Ein komisches Gefühl, es sind nur noch dreizehn Tage bis zum Einzug in den prachtvoll geschmückten Heinrichstift. Dann wird das Volke den neuen Regenten zu jubeln und die närrische Zeit endlich beginnen!
06.01.2012
Die Weihnachtsfreuden verklingen so langsam, der Eintritt in das für die beiden Auserwählten so besondere Jahr wurde gebührend begangen und die ach so schöne närrische Zeit macht sich allmählich breiter im Breetlooksdorf.
Nun, da das neue Jahr schon ein paar Tage alt ist, wird dem zukünftigen Regentenpaar bewusst, dass die Zeit bis zum großen Abend, im noch größeren Saale, immer näher kommt. Dank großen Fleißes und viel Akribie sind die ersten Orden fertig, das Gewand der Prinzessin kam gestern mit der Postkutsche und die erlauchten Worte, die zum Volke gesprochen werden sollen, werden auch schon geübt. Ihrer Lieblichkeit ist hin und wieder schlecht vor Lampenfieber. Soll sie den Medicus Hattstein aufsuchen? Schließlich kennt dieser sich mit so etwas aus. Dem Prinzen wird nur bei einem Gedanken schlecht, dass ihm „Andrea“ die Schindeln vom Dach fegt.
Im Portal für die Prinzentips ist immer regeres Treiben, auch spricht das Volk jetzt häufiger darüber, wer es denn in den närrischen Tagen regieren wird.
Der Priester vom Orden des Sechserrates will demnächst zusammen mit den Auserwählten in eine entfernte Herberge gehen, um dort einen Mann zu treffen, der sich als Schreiber verdingt und so seine Groschen verdient. Ob dieser Fremde unserem Paar denn wohlgesonnen ist?
Morgen, am Tage, an dem das Wochenende begonnen hat, werden die Karten für die Sitzungen des karnevalistischen Ordens verkauft, für fünfzehn Taler. Versucht der Prinz sein Glück bei der Verlosung? Sollte die Prinzessin nicht besser auch dabei sein? Werden sie wohl unerkannt bleiben können?
Das Prinzenpaar 2012 hofft, dass Euch das Losglück hold ist! Man sieht sich dann am Samstag…, oder?
31.12.2011
Die besinnlichen Weihnachtstage im Kreise der Familie gehören der Vergangenheit an.
Vieles muss noch vorbereitet werden. Das Prinzenpaar beschäftigt sich seit Tagen mit der Herstellung der Orden und muss ständig auf der Hut sein, nicht von den Kindern oder den Verwandten dabei ertappt zu werden. Die Garderobe für die Prinzenproklamation ist auch noch nicht komplett. Wo bekommt die Prinzessin ihr Kleid her? Versucht sie es bei Frau Fuldner oder bei Frau König? Nein, das wäre zu auffällig. Man sollte mit dem Pferdegespann in die große Stadt nach Crefeld fahren. In einer „Stadt wie Samt und Seide“ sollte das wohl gelingen und Hülser trifft man dort auch nicht. Der Prinz wird seine neuen Galoschen in ein paar Tagen bei Schuster Mombauer ordern und sie erst kurz vor dem Zug abholen. Auf dem Markt bereiten Brandmeister Klein und die gestandenen Männer der Freiwilligen Feuerwehr Hüls das Silvester-Feuerwerk mit chinesischem Schwarzpulver vor. Ganz in der Nähe hat man ein Portal geschaffen, in dem jeder Ortsansässige seinen Prinzentip abgeben kann. Hat schon jemand den richtigen Riecher gehabt?
Für das Prinzenpaar wird das ein ganz besonderer Jahreswechsel in das Jahr ihrer Session.
Mit den besten Wünschen für Glück und Gesundheit für 2012 für alle Einwohner des Breetlookdorfes schließt sich für dieses Jahr das Tagebuch.
24.12.2011:
Heiligabend, es war alles vorbereitet für die Bescherung. Die Familie versammelte sich und der Prinz las seinen Lieben aus der Bibel vor:
Die Geburt Jesu nach dem Lukas-Evangelium:
"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Stadthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat. Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen. Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie denn zu ihnen gesagt war."
Das Prinzenpaar 2012 wünscht allen Hülsern ein friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest!
21.12.2011:
Die Nachricht verbreitete sich schnell im Dorf an der Hülser Burg.
Die Prinzessin machte sich auf den beschwerlichen Weg, die wöchentlichen Einkäufe und Gaben für das Weihnachtsfest zu besorgen. Sie ging zum Kirchplatz, wo die Trinas ihre Waren feilboten. Breetlook war im Moment sehr günstig, sollte man sich jetzt einen Vorrat anlegen?
Sie bräuchte noch eine Ente für den Weihnachtsbraten, dazu Rotkohl vom Bauern Vennekel und ein Brot vom Michel. Rosenwasser aus Köln holte sie beim Apotheker Bedau. Auf ihrem Weg kam sie beim Barbier Irskens vorbei. Sollte sie einen Termin für sich und ihren Mann machen?
Ihr Prinz weilte zu diesem Zeitpunkt mit dem Nachwuchs im Wald. Sie suchten nach einer kleinen Tanne für die Hütte. Weihnachten sollte für die Kinder so besinnlich sein wie immer.
16.12.2011:
Es begab sich zu der Zeit, in der die Bäume ihr Laub verloren hatten und die Tage immer kürzer wurden. Man hatte sich gut vorbereitet auf einen langen Winter. Das Feuer im Kamin machte es behaglich in der Hütte und nachdem die Kinder in ihrer Kammer in den Daunen lagen, entspannte man sich bei einem Krug Met.
Ein Klopfen an der Eingangspforte. Besuch zu dieser nachtschlafenden Zeit? Bettler, Hausierer oder gar die Base von nebenan?
Nein, drei Gestalten mit Kapuzen, so tief ins Antlitz gezogen, dass man sie nicht erkennen konnte. Es waren die Oberin, der Priester und der Abt vom Orden des Sechserrates. Sie begehrten Einlass und da man sich kannte, wurden sie hereingebeten. Der Priester berichtete über Traditionen und Bräuche des Ordens, wie denjenigen, dass sie in jedem Jahr ein Paar aussuchen, welches den Sechserrat und das ganze Breetlooksdorf in der fünften Jahreszeit regiert. Nach betretenem Schweigen stellte er die alles entscheidende Frage. Der Mann sah, wie sein Weib aschfahl wurde . Es wurde Bedenkzeit erbeten und die drei Gefährten gingen ihrer Wege.
Es wurde kaum geschlafen in jener Nacht, doch am nächsten Tag war man sich einig. So wurde eine Nachricht an die Gefährten gesand und ihnen aufgetragen, diese im ganzen Land zu verkünden. Auf dem Pergament steht in purpurnen Lettern:
„Ja, wir wollen euer Prinzenpaar 2012 sein“!



